Luftkrieg über Ludwigshafen

00277 Ludwigshafen Blick in die zerstörte Stadtmitte; rechts die Notbrücke 1945 001.jpgIm Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 fanden zum ersten Mal Luftangriffe auf das deutsche Kaiserreich statt und Luftschutzmaßnahmen wurden ergriffen; der Begriff Luftkrieg kaum auf. Auch Ludwigshafen war wegen seiner Industrieanlagen davon betroffen. Es starben durch feindliche Fliegerangriffe 44 Ludwigshafener, an der Front ließen 2.668 Bürger als Soldaten ihr Leben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es in Vorbereitung auf einen Luftkrieg ein allgemeines Aufrüsten, was mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus noch intensiviert wurde. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Industriestadt Ludwigshafen zum "Luftschutzort I. Ordnung" erklärt und als kriegswichtige Stadt in das "Führer-Sofortprogramm" (1940) aufgenommen. Im Zuge dessen wurden die bereits bestehenden Luftschutzmaßnahmen verstärkt. Am 03. Juni 1940, ein Jahr nach Beginn des Zweiten Weltkrieges erfolgte der erste Luftangriff auf Ludwigshafen am Rhein. Zwei Tage später forderte der Luftkrieg seine ersten Opfer in der Hafenstadt.

Neben Maßnahmen wie Verdunklung und Ausbau der Luftschutzkeller, Splittergräben und öffentlichen Luftschutzräumen, begann man damit, Luftschutzbunker zu bauen. Die Stadt sah sich insgesamt 124 Luftangriffen ausgesetzt, wobei die Innenstadt zu ca. 80 Prozent zerstört wurde; es gab laut Aufzeichnungen knapp neunzehnhundert Tote und mehr als dreitausend Verletzte zu beklagen.

Luftangriffe auf Ludwigshafen / Quartal

03403 Amerikanische Bomber greifen am 16.09.1944 die BASF mit ihren Raffinerien an 020.jpgNeben den Industrieanlagen wie der zur IG-Farben gehörenden BASF, griffen die amerikanischen Streitkräfte auch die deutsche Verkehrs- und Infrastruktur an. Ihr Ziel war es, den Güterverkehr auf den Flüssen, sowie die Schienen-und Straßensysteme zum Erliegen zu bringen. Dabei wurde in Kauf genommen, dass die abgeworfenen Bomben auch die Zivilbevölkerung mittraf.

England verfolgte damit die Strategie des „Moral Bombings“. Durch eine gezielte Bombardierung der Bevölkerung sollte ihre Moral und ihr Vertrauen in die Regierung und in den Endsieg geschwächt werden. Zudem hofften die Engländer, dass die Bevölkerung durch den Verlust der materiellen Lebensgrundlage und der Bedrohung ihrer Existenz von ihrer beruflichen Tätigkeit ablassen würde. Doch diese Strategie ging lange Zeit nicht auf. Dies zeigte sich auch in der BASF in Ludwigshafen, obwohl die Stadt 124 Luftangriffe erlebte, konnte das Werk seinen Betrieb bis Februar 1945 aufrechterhalten.

(...) Wie in der Nacht vom 09. auf den 10. des vorigen Monats begann der Angriff wieder mit dem näherkommenden Dröhnen der Flugzeugmotoren, dem wütenden Krachen der Flaksalven und den ersten Bombeneinschlägen, die sich dann binnen kurzem zu einem unbeschreiblichen Trommelfeuer steigerten, unter dem sich wieder der Boden wie in Krämpfen hob und senkte, die Wände einzustürzen drohten, sowie der Mörtelstaub und Sand förmlich auf uns niederrieselte und Nase und Mund austrocknen ließen.

Längst war wieder das elektrische Licht ausgegangen und durch eine Kerze ersetzt worden, in deren flackerndem Licht wir (...) gelähmt und wie Gespenster, den Dreck auf dem Kopf und den Wimpern, um den Durchbruch herum hockten, bereit, hindurch zu flüchten, sobald die Decke herabstürzen würde. Es war wieder die Hölle! (...)

 

Richard Braun (Zeitzeuge)

Zerstörte Wohnhäuser in der Schwanenstraße Friesenheim nach dem Agriff vom 31.07.1944.jpgBei einem Luftangriff folgen die Bomberpiloten in einer Höhe von 7,8 km an und gingen schließlich auf 4 km herunter. Ein Ziel genau zu treffen, war für die britische Luftwaffe schwerer als für die amerikanische, denn nur die Amerikaner verfügten über ein Zielerfassungsgerät. Trotz der Zielungenauigkeit war die Zerstörung der Ludwigshafener Innenstadt kein Versehen, sondern im Angriffsplan einkalkuliert.

Die deutsche Luftwaffe schoss 12 000 Bomber ab und damit über 100 000 alliierte Besatzungsmitglieder der britischen und amerikanischen Luftflotte. Diese Opferzahl entsprach dem Verlust der Bodentruppen der Westalliierten. So war zu Beginn des Krieges die Zahl der Toten unter den Bomberpiloten oft höher als der Verlust unter in der Zivilbevölkerung in den angegriffenen Städten.

Tote & Verletzte / Quartal

05. auf 06. September 1943

In der Nacht vom 05. auf den 06. September 1943 ertönen die Sirenensignale und kündigen einen bevorstehenden Luftangriff auf Ludwigshafen und Mannheim. Ziel der Bomber war die Mannheimer Hauptpost am Paradeplatz. Einige wenige Menschen flüchten in die Bunker, der Großteil jedoch bleibt daheim im Luftschutzkeller. Jungen, die zu Flakhelfern ausgebildet sind, beziehen ihre Position an den Flugabwehrkanonen, um die Stadt zu verteidigen. Ältere Männer, die nicht an der Front kämpfen, bereiten sich darauf vor, mögliche Brände in der Stadt zu löschen. Block-und Bunkerwarte versuchen bei den Schutzsuchenden für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Am 05. September beginnen mitten in der Nacht, gegen 23:23 Uhr, die Sirenen einen der schwersten Luftangriffe auf Ludwigshafen und die Schwesterstadt Mannheim anzukündigen. Der Angriff wird laut Aufzeichnungen der Royal Airforce ca. 40 Minuten dauern. Bis die Sirenen verstummen dauert es drei Stunden, um 02:45 Uhr kann die Bevölkerung wieder aufatmen.

Doch der Schrecken ist noch lange nicht vorbei, denn nun müssen Alte und Junge, Zwangsarbeiter und Frauen bei der Bergung von Opfern aus den Trümmern der Stadt helfen. 378 verletzte Personen suchen um Hilfe in den Krankenhäusern Ludwigshafens. Für 128 Menschen gibt es keine Rettung mehr.

Größe der Flugverbände / Quartal*
* wegen ungenauen Aufzeichnungen kann die durchschnittliche Größe der Flugverbände vom tatsächlichen Wert abweichen. Diese Ungenauigkeit wird hier durch Näherungswerte versucht zu kompensieren.

Dennoch war die Anzahl der Toten im Vergleich zu anderen Städten weitaus geringer und auch bei den folgenden Angriffen bleib es so. Dies lag zum Großteil an den 29 Bunkern, die für die zivile Bevölkerung zugänglich waren. Zudem boten weitere Bunker auf Werks- und Bahngelände Schutz für Arbeiter. In den Vororten Ludwigshafens ließen die fehlenden Bunker die Zahl der Toten steigen.

Von Deutschland aus flog bis zum 03. März 1945 die sogenannte Vergeltungswaffe 2, als erste funktionsfähige Großrakete 1 352 Mal nach London und tötete 8 000 Zivilisten. Dennoch galten Ludwigshafen und Mannheim nicht mehr als Ziele für die Atombombe.